Lagerungspräferenz Neugeborenes, was steckt dahinter?
Du hast es vielleicht schon bemerkt: Dein Baby liegt fast immer mit dem Kopf zur selben Seite gedreht. Beim Schlafen, beim Trinken, beim Wachsein. Wenn du den Kopf sanft zur anderen Seite drehst, kommt er sofort wieder zurück – wie ein Kompass, der seinen Norden sucht. Dein erster Gedanke: Ist das normal? Gibt sich das von selbst? Und was bedeutet das für mein Kind?
Was ist eine Lagerungspräferenz überhaupt?
Eine Lagerungspräferenz, auch Schiefhals oder auf Fachsprache Torticollis genannt bedeutet, dass ein Baby eine klare Lieblingsseite hat. Es dreht den Kopf bevorzugt in eine Richtung und weicht der anderen aus. Das ist häufiger als viele denken. Und es hat fast immer eine körperliche Ursache.
Neugeborene verbringen Monate in einer engen, oft asymmetrischen Position im Bauch. Dazu kommt der Geburtsweg: Druck auf den Schädel, Zug am Hals, manchmal eine schnelle oder sehr lange Geburt oder ein Eingriff wie Vakuum- oder Zangenextraktion. All das hinterlässt Spuren im Gewebe, in der Halsmuskulatur, in den Gelenken der Halswirbelsäule, in den Faszien, die alles zusammenhalten.
Das Baby dreht den Kopf nicht aus Gewohnheit zur Seite. Es dreht ihn dorthin, wo es weniger Widerstand spürt.

Was die Forschung zeigt
Dass Geburten mit geburtshilflichen Eingriffen funktionelle Störungen beim Neugeborenen verursachen können, ist inzwischen gut belegt. Die Universitätsklinik für Frauenheilkunde des Inselspitals Bern hat genau das erkannt und als eine der ersten Kliniken in der Schweiz ein gezieltes Programm entwickelt: Wellcome.
Neugeborene, die nach Vakuum- oder Zangenextraktion oder sekundärer Sectio auf die Welt kamen und Zeichen von Schmerz, Unruhe, Stillschwierigkeiten oder eingeschränkter Halsbeweglichkeit zeigten, erhielten manuelle Therapie, noch während des Spitalaufenthalts. Die Ergebnisse der Pilotstudie waren ermutigend: Eltern berichteten von Verbesserungen beim Trinkverhalten, der Verdauung, der Beweglichkeit und der allgemeinen Beruhigungsfähigkeit ihrer Kinder. Das Programm wurde von Eltern und Fachpersonal gleichermassen als wertvolle Unterstützung erlebt.
Diese Erkenntnisse bestätigen, was ich täglich in meiner Praxis beobachte.
Was ich in meiner Praxis sehe
Wenn Eltern mit einem Baby zu mir kommen, das eine klare Seite bevorzugt, schaue ich als erstes das grosse Bild an: Wie hält das Baby den ganzen Körper? Zieht es eine Schulter hoch? Liegt es in einer leichten Bananenform? Dreht es beim Stillen nur zur einen Seite?
Denn eine Lagerungspräferenz ist selten isoliert. Sie ist oft der sichtbare Ausdruck einer Kette: Eine Spannung in der Halsmuskulatur zieht an der Schulter, die Schulter beeinflusst das Zwerchfell, das Zwerchfell den Bauchdruck. Plötzlich erklärt sich, warum das Baby beim Schlafen, Trinken und Strampeln immer dieselbe Seite bevorzugt.
Ich schaue dann: Wie frei bewegen sich die oberen Halswirbel? Wie ist die Spannung im Musculus sternocleidomastoideus, dem Muskel, der Hals und Schulter verbindet? Wie reagiert das Gewebe auf sanften Kontakt?
Warum frühzeitig handeln wichtig ist
Ein Baby, das in den ersten Wochen und Monaten den Kopf immer zur gleichen Seite dreht, belastet seinen Körper einseitig. Jeden Tag, viele Stunden lang. Das kann Folgen haben, die zunächst unsichtbar sind:
Der Schädel verformt sich. Liegt ein Baby immer auf derselben Seite, entsteht durch den Druck eine Abflachung, die sogenannte Plagiozephalie. Der Schädel ist in den ersten Monaten noch sehr formbar. Was sich jetzt einschleift, muss später wieder korrigiert werden.
Die Mundmotorik entwickelt sich ungleichmässig. Wer immer nur in eine Richtung dreht, trainiert auch Kiefer, Zunge und Schluckmuster einseitig. Das kann sich später auf die Sprachentwicklung und das Kauen auswirken.
Die Wirbelsäule und motorische Entwicklung verlaufen einseitig. Was im Hals beginnt, setzt sich nach unten fort, in die Brustwirbelsäule, das Becken, die Hüften. Das Baby trainiert eine Körperseite stärker als die andere, was die gesamte motorische Entwicklung beeinflusst: Drehen, Krabbeln, Aufstehen. All das baut auf einer symmetrischen Grundlage auf.
Das klingt viel, und ich sage das nicht, um Angst zu machen. Sondern weil ich weiss: Je früher man hinschaut, desto sanfter und schneller lässt sich etwas verändern. Oft reichen einfache Übungen für zuhause und etwas therapeutische Unterstützung.
Hast Du Fragen oder möchtest Du einen Termin vereinbaren?
Kontaktiere mich gerne telefonisch. In einem persönlichen Gespräch finden wir gemeinsam heraus, wie ich Dich oder Dein Kind bestmöglich begleiten und unterstützen kann.
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