Zungenband
Das Zungenband sieht eigentlich normal aus.“ Diesen Satz höre ich oft und trotzdem stimmt etwas nicht. Das Baby trinkt schlecht, das Kind spricht undeutlich, der Erwachsene kämpft seit Jahren mit Kieferverspannungen. Ein restriktives Zungenband zeigt sich nicht immer auf den ersten Blick. Was zählt, ist die Funktion und die erzählt manchmal eine ganz andere Geschichte.
Was ist ein zu kurzes Zungenband?
Ankyloglossie auch bekannt als restriktives Zungenband oder „Tongue Tie“ – bezeichnet eine eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge aufgrund eines verkürzten oder straffen Bindegewebebandes zwischen Zunge und Mundboden.
Während der embryonalen Entwicklung bildet sich dieses Gewebe normalerweise zurück. Bleibt es jedoch bestehen, kann es die Zungenbeweglichkeit einschränken und das mit weitreichenden Folgen. Denn die Zunge spielt eine zentrale Rolle beim Saugen, Schlucken, Atmen, Sprechen und bei der Entwicklung des Kiefers. Ihre Auswirkungen gehen weit über den Mundraum hinaus.
Warum ein Zungenband zu Verspannungen führen kann
Ein restriktives Zungenband ist nicht nur ein lokales Gewebeproblem. Wenn die Zunge in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist, kompensiert der Körper das unweigerlich. Die umliegende Muskulatur übernimmt Aufgaben, die eigentlich nicht ihre sind: Nackenmuskeln, Kiefermuskulatur, Mundboden, Zwerchfell. Mit der Zeit entstehen so Verspannungsmuster, die sich auf die gesamte Körperhaltung und das Nervensystem auswirken können.
Das erklärt, warum Kinder mit einem restriktiven Zungenband manchmal nicht nur Stillprobleme haben, sondern auch unruhig schlafen, häufig Ohrentzündungen bekommen oder Verspannungen im Nacken und Kiefer zeigen. Der Körper erzählt immer die ganze Geschichte. Man muss nur wissen, wo man hinschauen muss.
Mögliche Anzeichen bei Säuglingen
Ein verkürztes Zungenband kann bereits in den ersten Lebenstagen auffallen:
- Schwierigkeiten beim Stillen
- Probleme, ein stabiles Vakuum aufzubauen
- Klickgeräusche während des Trinkens
- Häufiges Abrutschen von der Brust
- Unruhiges Trinkverhalten
- Verlängerte Stillmahlzeiten
- Saugenblasen an den Lippen
- Unzureichende Gewichtszunahme
- Weisse Zungenbeläge, da die Zunge nicht ausreichend abgestreift wird
Mögliche Anzeichen bei Kindern und Erwachsenen
Wird ein restriktives Zungenband nicht erkannt, können später weitere Beschwerden auftreten:
- Eingeschränkte Zungenbeweglichkeit
- Herzförmige Zungenspitze beim Herausstrecken
- Schwierigkeiten, die Zungenspitze an den Gaumen zu bringen
- Probleme beim Kauen oder Schlucken
- Sprachauffälligkeiten, insbesondere bei Lauten wie „t“, „d“, „s“, „z“, „r“ oder „l“
- Mundatmung
- Kiefer- und Nackenverspannungen
- Kopfschmerzen oder Migräne
- Wiederkehrende Mittelohrentzündungen
Wie wird ein Zungenband beurteilt?
Bei der Beurteilung reicht es nicht aus, nur das Aussehen des Zungenbandes zu betrachten. Entscheidend ist vor allem die Funktion der Zunge. Dabei wird unter anderem beobachtet:
- Wie weit die Zunge herausgestreckt werden kann
- Ob die Zungenspitze den Gaumen erreicht
- Die Beweglichkeit in verschiedene Richtungen
- Die Funktion beim Saugen, Schlucken und Atmen
- Die Haltung von Zunge und Lippen in Ruhe
Muss ein Zungenband immer durchtrennt werden?
Nicht zwingend. Nicht jedes restriktive Zungenband muss operativ behandelt werden. Manchmal können gezielte Übungen, zur Mobilisation der Zungenmuskulatur, zur Verbesserung des Schluckmusters und zur Lösung muskulärer Verspannungen ausreichen, um die Funktion spürbar zu verbessern und die Kompensationsmuster zu entkräften. Das hängt vom Ausmass der Einschränkung, vom Alter des Kindes und von den konkreten Beschwerden ab.
Wenn die Zungenfunktion jedoch deutlich eingeschränkt ist, kann eine sogenannte Frenotomie empfohlen werden. Ein kleiner, minimalinvasiver Eingriff, bei dem das Zungenband durchtrennt wird. Der Eingriff wird von speziell ausgebildeten (Zahn)Ärztinnen, (Zahn)Ärzt durchgeführt, in der Regel unter Lokalanästhesie. Danach bleibt eine kleine rautenförmige Wunde zurück, die offen verheilt. Um ein erneutes Verkleben zu vermeiden, werden während etwa vier Wochen gezielte Dehn- und Mobilisationsübungen empfohlen.
Warum eine Begleitung, vor und nach dem Eingriff, so wichtig ist
Eine komplementärtherapeutische Behandlung ist nicht nur vor einer Frenotomie sinnvoll, sondern genauso danach und das wird oft unterschätzt.
Vor dem Eingriff geht es darum, die bestehenden Verspannungen zu lösen und den Körper so gut wie möglich vorzubereiten. Denn ein entspanntes Gewebe reagiert besser, heilt schneller und gibt die neu gewonnene Bewegungsfreiheit leichter weiter.
Nach dem Eingriff beginnt das eigentliche Umlernen. Das Kind fängt an, anders zu saugen, anders zu schlucken, später anders zu sprechen. Neue Bewegungsmuster entstehen und das ist grossartig. Aber der Körper braucht dabei Unterstützung. Die Muskulatur muss die neue Freiheit erst kennenlernen, alte Kompensationsmuster wollen abgebaut werden, und das Nervensystem darf sich neu orientieren.
Genau hier setzt meine Arbeit an. Mit osteopathischen, craniosacralen, funktionellen und dentosophischen Ansätzen begleite ich diesen Prozess; sanft, individuell und mit einem ganzheitlichen Blick auf den kleinen Menschen, der vor mir liegt.
Hast Du Fragen oder möchtest Du einen Termin vereinbaren?
Kontaktiere mich gerne telefonisch. In einem persönlichen Gespräch finden wir gemeinsam heraus, wie ich Dich oder Dein Kind bestmöglich begleiten und unterstützen kann.
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